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Schon eine Ewigkeit im Musikgeschäft und noch immer keine Anzeichen von musikalischer Müdigkeit. Blondie Frontfrau Deborah Harry hat neben all ihren Erfolgen mit der Band („Heart of glass“, „Maria“, „The tide is high“) bereits 5 Soloalben veröffentlicht und macht die Reihe mit ihrem nun erschienenen 6. Werk vollständiger. Ob sich ihre Musik immer noch so gut anhört wie die Dame mit ihren immerhin 62 Lenzen ausschaut, darf nachfolgend erfahren werden.
Man kann fast von einem Comeback sprechen, denn das letzte Soloalbum von Mrs. Harry erschien 1993 („Debraviation“). 1999 gelang ihr als Sängerin von Blondie mit „Maria“ noch ein Riesenhit, danach wurde es allerdings ein wenig stiller um Band und Deborah Harry selbst. Zwar war sie stets noch als Schauspielerin engagiert und tourte mit den Jazz Passangers durch die Lande, doch so wirklich vermisst schien man sie nicht zu haben. Umso mehr ein Grund mit 17 neuen Songs aufzuwarten und mit „Necessary Evil“ eine Platte abzuliefern, die – nunja – am Ende doch nicht weiß, was sie eigentlich genau bewirken möchte. Mit gefälligem 80er Beat startet „Two Times Blue“ und lässt sich als Opener ganz gut verdauen, auch wenn sich der Refrain mit etwas zuviel an Hintergrundsynthies ein wenig überschlägt. Was danach folgt, sind zunächst etwas Funk, Rock und Pop, der auch von der aktuellen Backstreet Boys LP kommen könnte. Mit „Deep End“ erreicht das Album dann den ersten Tiefpunkt. Ein pubertierend stampfender Anflug von Industrial-Schnick-Schnack garniert von einem wiederum hilflos und uninspiriert überfrachtetem Refrain, der so gar nicht ins Geschehen passt. Verschiedene Musikstile werden auf „Necessary Evil“ zu genüge bedient. Die Frage ist nur, was die Künstlerin damit sagen will. Ist sie hin und her gerissen? Spiegeln die komplexen Arrangements ihren vielschichtigen Charakter wieder? Man mag es nicht so ganz herausfinden. Dabei tauchen aus dem müden Songbrei immer mal wieder einige potentiell gute Titel auf. „Love with a vengeance“ ist definitiv der musikalisch gelungenste Titel, der, würde Harry hier gesanglich mehr aus sich herausholen können, auch instrumental noch eine Spur schärfer agieren und damit zu einer sehr interessanten Nummer avancieren könnte. Mit der dünnen Performance der Sängerin bleibt allerdings nicht viel mehr übrig als ein gut gemeinter Versuch. Einmal allerdings sperrt man überrascht die Ohren auf, nämlich dann, wenn „You’re too hot“ aus den Boxen dröhnt. In bester Protestmanier schreit sich Harry hier die Seele aus dem Leib und was auffällt ist, dass hier einfach nicht versucht wird noch mehr aus dem Song zu machen, indem unnütze Geschosse aufgefahren werden, die den Track am Ende vollständig zerfahren wirken lassen. Ganz gut gelungen ist an sich auch die an Peter Gabriel erinnernde Nummer „Heat of the moment“, die zwar als Rausschmeißer die Sache ganz gut gemacht hätte, doch mittendrin mal wieder deplatziert wirkt und noch eine Musikrichtung mehr vorstellt, was das ganze Album dann noch viel unüberschaubarer macht – vom Ethno-Pop Ausflug „Jen Jen“ wollen wir gar nicht mehr sprechen. Nunja, nach etwas über einer Stunde ist die ganze Geschichte auch (endlich) vorbei und wenn man sich dann fragt, was man gerade so gelernt hat, bleibt nur die Antwort „leider nichts“, denn weder bietet „Necessary Evil“ einen roten Faden noch überzeugt das Album musikalisch – und man bekommt so seine Zweifel, dass Deborah Harry noch die Richtige ist für eine Musik, die so ihre Kapriolen schlägt, wie bei den eben vergangenen 17 Titel. Und da ist es dann wieder, dieses Mitgefühl, das man zuletzt bei Judy Collins’ letztem Ausrutscher kurz zu spüren meinte. Bewertung: Highlights: You’re too hot Lowlights: Deep end, What is love, Needless to say, Jen Jen
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Weiteres Material: Webseite: http://www.deborahharry.com Reinhören: http://www.myspace.com/deborahharry_dot_com
Tracklist: 1. Two Times Blue 2. School For Scandal 3. If I Had You 4. Deep End 5. Love With A Vengeance 6. Necessary Evil 7. Charm Redux 8. You're Too Hot 9. Dirty And Deep 10. What Is Love 11. Whiteout 12. Needless To Say 13. Heat Of The Moment 14. Charm Alarm 15. Jen Jen 16. Naked Eye 17. Paradise 
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