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Seit youtube und diversen anderen Videoplattformen ist es ja ziemlich einfach geworden, seine eigenen kreativen Ergüsse oder die anderer ins weltweite Netz zu speisen. Die Palette reicht hier von menschenverachtend schlecht bis geradezu entzückend gut. Eine der interessanteren Gruppierungen, die definitiv vom Boom dieser Plattformen profitieren, sind die Schöpfer so genannter „Mashups“, der Übereinanderlagerung der Instrumentalspur eines bestimmten Songs mit dem Gesang eines anderen – dabei gibt es Mashups schon sehr viel länger…
Mashups, auch Bastard Pop, Bootlegs, Smashups, Blends oder Cut-Ups genannt, mischen nicht bloß recht gleichartig klingende Songs übereinander. Die wahre Herausforderung und das interessantere Ergebnis am Ende wird erst erreicht, wenn die beiden zusammengesteckten Songs im Stil möglichst verschieden sind. So sind im Netz etwa Mashups zu finden, bei denen die Tonspur eines Linkin Park Titels mit dem Gesang von Britney Spears vermengt wurde. Und, das muss man einfach uneingeschränkt zugestehen, das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Hier ein Beispiel:
Auch wenn es Versuche und Veröffentlichungen dieser Art schon sehr viel länger gibt, geht der offizielle Begriff „Bastard Pop“ zurück ins Jahr 2001. Um diese Zeit war besonders in England die Mashup-Bewegung besonders aktiv – erste offizielle Mashups von Eminems „My name is“-Lyrics wurden mit dem Sound von AC/DCs „Back in Black“ oder Vanilla Ice’s „Ice, ice baby“ überlagert – das war allerdings schon 1999.
Und man kann sich sogar noch weiter in der Zeit zurücktasten. So gab es schon Mitte der 90er Jahre Tracks, die als „Remixes“ verkauft wurden, eigentlich jedoch bereits zum Bastard Pop gehörten. Allerdings bestand dieser Begriff noch nicht als eigene Bezeichnung für das, was wir heute darunter verstehen und jene Versuche von damals waren eher experimenteller Natur.
Vereinzelte Spuren von überlagerten Songs reichen, ohne hier auch nur annähernd von einer „Szene“ sprechen zu können, gar zurück bis in die 50er Jahre. Dort hatten 2 Gestalten namens Bill Buchanan und Dickie Goodman mit der Single „The Flying Saucer“ die Notfall-Meldungen aus Orson Welles Hörspiel „Krieg der Welten“ mit Musikschnipseln unterlegt und so für erste verwunderte Hörer gesorgt.
Und auch wenn die bisher angesprochene Art eines Mashups die am meisten vertretene ist, muss so ein Titel nicht zwingend nur Musik von Stück A mit den Vocals von Stück B mischen. Frank Zappa, der amerikanische Alptraum jeder Schwiegermutter, extrahierte etwa in einem von ihm „Xenochrony“ genannten Prozess das Gitarrensolo eines Liedes und stopfte es in einen vollkommen neuen Kontext.
Über die Jahre hinweg schafften es immer wieder einzelne Mashups vom Bodensatz diverser Underground-Szenen nach oben ans Tageslicht. Bekanntere Vertreter dieser Art sind etwa Mixturen von Suzanne Vegas „Toms Diner“ mit diversen anderen mehr oder weniger bekannten Titeln. In die Charts schaffte es 1983 die Vermengung von Steely Dans „Do it again“ mit Michael Jacksons „Billy Jean“.
Doch wie kommt so ein Mashup in die Charts? Sieht man sich einmal an, welch enorm gute Qualität die im Internet verfügbaren Bastard Pop-Tracks haben können, so ist es nicht verwunderlich, wie viele Clicks die dazugehörigen Videos bereits vorweisen können. Der Bekanntheitsgrad steigt durch die Verbreitung im „Untergrund“ schneller als jemals zuvor.
Hat ein qualitativ hervorragender Mashup dann soviel Untergrund-Moment gewonnen, dass er aufgrund des Bekanntheitsgrades einen derartigen Hype auslöst, so ist eine Kommerzialisierung fast unausweichlich. Ein gutes Beispiel dafür ist die Mischung aus Christina Aguileras „Genie in a Bottle“ mit den schraddelnden Riffs von The Strokes. Das Ergebnis hört auf den Namen „A Stroke of Genie-us“ und klingt so:
Man kann sich gut vorstellen, dass mit der heute verfügbaren Technik allerlei Schindluder mit Liedern getrieben wird, da es allerhand Programme gibt, die das Überlagern zweier Tracks unglaublich einfach machen. So lassen sich nicht nur mit kommerziell erhältlicher, sondern auch mit Open Source Software in kürzester Zeit 2 Titel übereinander schieben und per „Beat Mapping“ synchronisieren – ganz etwas anderes als das Arbeiten mit Magnetbändern in den 50ern.
Und da jede Bewegung auch ihr Sprachrohr hat, gibt es so einige Seiten im Netz, die sich voll und ganz dem Thema widmen. Die Links findet ihr weiter unten.
Wo Mashups vor einigen Jahren noch ein eher verstohlenes Phänomen auf der britischen Insel waren, tauchen heute aus nahezu allen Teilen der Erde derartige Tracks auf. Wo auch immer eine Internetverbindung vorhanden ist und Musik gehört wird, wird an bestehendem Material herumgeschraubt und das Ergebnis ins Netz geladen.
Wer nun selbst solche Mashups zusammenbauen möchte, dem sei gesagt, dass die Songs in der Regel immer noch einem Copyright unterliegen und nicht einfach mal eben bearbeitet und zur freien Verfügung hochgeladen werden dürfen.
Es gibt hier zwar immer wieder offiziell genehmigte Ausnahmen, doch ist davon auszugehen, dass ihr euch mit einer eigenen Verfremdung von urheberrechtlich geschütztem Material nicht gerade zu Freunden der Musikindustrie macht. Daher von uns ganz klar der Hinweis sich erst zu erkundigen in wieweit ihr euch auf legalem Terrain bewegt und erst dann Mashups zu verteilen.
Links:
http://www.gybo-v3.co.uk
http://www.mashstix.com
t.h.
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