Ja ne, is klar, The Cult sind zurück. Und zwar der Band entsprechend standesgemäß. Duffy und Astbury haben sich mal wieder zusammengerauft und mit „Born into this“ einen netten Q-Tip zum Ohrensäubern veröffentlicht. Also Kopfhörer aufgesetzt und was jetzt nicht abbröckelt, kriegt auch kein Ohrenarzt raus.
Fangen wir kurz von vorn an. 1981 gründete ein englischer Zeitgenosse namens Ian Astbury die vierköpfige Band „Death Cult“, die sich 1984, aus Angst der Bandname könnte irgendwie an Deathmetal oder Gothic erinnern, in „The Cult“ umbenannte. Im gleichen Jahr kam die erste LP „Dreamtime“ heraus und schlug gleich ganz ordentlich in den UK Charts ein. Jener Erstlingserfolg sollte nicht der einzige gewesen sein. Über die Jahre hinweg prägen The Cult einen mitunter auch rauen Alternative-Rock und touren mit Iggy Pop, Metallica, Mötley Crüe und Aerosmith. Bandmitglieder kommen und gehen, die Band trennt sich einmal 1995 und nach einer Wiedervereinigung im Jahre 1999 sagt man sich 2002 wieder einmal „Auf Wiedersehen“. Als The Cult im Jahre 2006 als Vorgruppe von The Who immer noch ordentlich Zuspruch bekommen, beschließt man, diesmal unter der Schirmherrschaft von Roadrunner Records, ein neues Album aufzunehmen.
Und so tun die Engländer das, was sie am besten können. The Cult bewegen auf „Born into this“ so einiges an kantigen Schallwellen durch die Gegend. Wer die Band noch nicht kennt, muss sich nur kurz den Opener „Born into this“ anhören, um zu verstehen, was Sache ist. Da werden hübsche Gitarrenwände aufgebaut, hüpf- und tanzbares Schlagzeug geboten und garniert mit einem melodiösen, zum Singen animierenden Refrain. Ein Eröffnungstitel, wie er sein muss. Der Zug rollt.
Nach dem Einstiegssong ist es „Diamonds“, das positiv auffällt. Wenn Sänger Astbury begleitet von einem stampfendem Rhythmus und solofreudigen Saiteninstrumenten immer wieder von seinem Mädel („She’s me girl – she’s got diamonds“) singt, möchte man sich am liebsten pogend in die Arme fallen und am Glück des Frontmanns teilhaben. Mit „Dirty little Rockstar“ fährt der Zug of Rock dann direkt in den nächsten Bahnhof ein, gibt ordentlich Gas und lässt alle Wartenden am Gleis stehen – verdutzt steht man da und wundert sich, warum die Frisur nicht mehr sitzt.
Randnotiz: Guns’n’Roses waren anfang der 90er mal Vorband von The Cult und Roses Drummer Matt Sorum war ursprünglich bei The Cult an der Schießbude unterwegs.
Aber auch leisere Töne können The Cult anschlagen. Mit „Holy Mountain“ wird zwar eine hübsche, Ballade geboten, die für eine kleine Verschnaufpause sorgt – doch wirklich einfallsreich ist sie nicht, sodass sie schnell vergessen ist. Denn mit „I assassin“ geht’s direkt mit Volldampf weiter und im Speisewagen rauft sich die Bedienung gerade die Haare, weil einige tosende Gestalten die Kontrolle über den Zapfhahn übernommen haben.
Auch wenn das Album so richtig gut nicht ankommen mag in der Musikwelt, machen The Cult auf „Born into this“ vieles richtig. Hier wird neben aller lautstärkebetonter Rockmusik nie die Melodie vergessen, die einen auf die imaginäre Bühne treibt und zum eigenen schrägen Gesang rockstarähnliche Gesten fuchteln lässt. Immer wieder finden auch Gitarrensolos ihren Weg in die Songs und mit Tracks wie „Tigers in the sun“ wird bewiesen, dass man auch mal wie die Manic Street Preachers klingen kann – sei es gewollt oder ungewollt.
Ja klar, The Cult waren mal besser. Ja gut, es fehlen die offensichtlichen Hits. Aber nichtsdestotrotz ist es immer noch grundsolider Alternative-Rock, der Spaß macht und die Bude wackeln lässt. Also, meine Damen und Herren, die Fahrt dauert zwar nur 40 Minuten, aber die Reise in diesem Rock-Express lohnt sich. Und irgendwie offenbart sich Platte auch erst beim 3. oder 4. Mal Durchhören.
Kleines Manko: Das rosa Cover sieht – Verzeihung – einfach scheiße aus!
Bewertung:
Highlights: Born into this, Tigers in the sun, Diamonds, I Assassin, Sound of destruction
Lowlights: Holy mountain
Weiteres Material: Webseite: http://www.thecult.us Reinhören: http://www.myspace.com/cultmusic
Tracklist:
1. Born Into This
2. Citizens
3. Diamonds
4. Dirty Little Rockstar
5. Holy Mountain
6. I Assassin
7. Illuminated
8. Tiger In The Sun
9. Savages
10. Sound of Destruction
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