 Er würde töten, um diese Farbe – in diesem Fall “Crimson” – mischen und für sein Bild nutzen zu können. Der unbekannte Maler ist nicht der einzige für ein Lied etwas ungewöhnliche Charakter, der von Dire Straits Sänger und Gitarrengott Mark Knopfler besungen wird. Noch viel mehr Außergewöhnliches und Schönes hat diese Platte zu bieten.
Er ist ja nicht mehr der Jüngste, dieser Knopfler. Sohn eines ungarischen Auswanderers und einer englischen Mutter, der sich als Journalist verdingte, bis er mit seinem Gitarrenspiel die Herzen der Zuschauer eroberte und ganz klassisch über das Einsenden eines Demobands beim Radio über Nacht einen wahren Ansturm auf „Sultains of Swing“ von den Dire Straits auslöste. Dieser Mann, der, zählt man die Dire Straits Werke und all seine Soloalben zusammen, weit über 100 Millionen Platten verkauft hat. Zudem gilt er als einer der besten Gitarristen der Welt – selbst Fender hat ihm ein Modell gewidmet. Zu verlieren hat er also nichts, beweisen muss er ebenso wenig. Er macht einfach nur Musik, die ihm Spaß macht.
Und das merkt man auf „Kill to get crimson“ ganz gewaltig. Keine Effekthascherei, klare Melodien, keine kreativ überschwappenden Arrangements. Die Songs bringen ihre Geschichten und Botschaften auf den Punkt und die markante Stimme Knopflers erledigt mit der beruhigenden Art eines Ulrich Wickert und seiner „geruhsamen Nacht“ den Rest.
Dabei beginnt das Album mit dem definitiv schlechtesten Track des Albums. „True love will never fade“ ist ein unglaublich simpler und schnulziger Song, der geradezu abschreckt und hoffen lässt, dass nicht die komplette Platte derart, nun ja, langweilig gestrickt ist. Doch bereits mit dem zweiten Track „The scaffolder’s wife“ werden alle Zweifel zerstreut und ab hier wird die Platte mit jedem Song besser.
Sei es im aufmunternd schunkelnden „Heart full of holes“, wenn Knopfler im Dreivierteltakt zum Tänzchen einlädt und mitten im Song einen unerwarteten, gar seemännisch klingenden Höhepunkt erreicht. Oder mit dem beschwingten „Punish the monkey“, in dem der Schotte seine unverkennbare Gitarre wunderbar aber nie aufdringlich heraushebt. Insgesamt ist „Kill to get crimson“ das wohl folkorientierteste Album Mark Knopflers. Das Akkordeon spielt des öfteren eine tragende Rolle, wie auch in „Let it all go“, einem fast traditionell anmutendem Stück über den bereits im Intro angesprochenen Maler.
Es gäbe noch Einiges zu schreiben über Songs wie “The fish and the bird” oder den Besucher des “Madame Geneva’s“, der seine inneren Dämonen mit reichlich Gin in Schach hält. Viel Schönheit steckt in diesen Songs, die mit ihren gefühlvollen Melodien immer wieder zu verzaubern wissen.
“Kill to get crimson” wird eine vielfach unterschätzte Platte sein. Sie wird nicht viel Aufmerksamkeit erregen und vermutlich nur Fans erreichen – was rein zahlenmäßig auch schon ein Erfolg wäre. Es sei aber jedem, der Wert auf wunderbare Melodien und handgemachte Musik legt, ans Herz gelegt, in die von uns als Highlights aufgeführten Songs reinzuhören, um sich von Knopflers Klangmalereien davontragen zu lassen.
Encore, Herr Knopfler!
Bewertung:
Highlights: Heart full of holes, The fish and the bird, Punish the monkey, Madame Geneva’s, Let it all go
Lowlights: True love will never fade
Weiteres Material: Webseite: http://www.markknopfler.com
Tracklist:
1. True Love Will Never Fade
2. The Scaffolder's Wife
3. The Fizzy And The Still
4. Heart Full Of Holes
5. We Can Get Wild
6. Secondary Waltz
7. Punish The Monkey
8. Let It All Go
9. Behind With The Rent
10. The Fish And The Bird
11. Madam Geneva's
12. In The Sky

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