 Ein Gute-Laune-Album sollte es werden. Nicht so traurig wie der Vorgänger. Unerschrocken marschiert Anders Wendin alias Moneybrother also durch ein Potpourri an unglaublich penetranten Rock’n’Roll Songs, die kein Arrangement-Klischee auslassen. Lasset uns hinauf zum „Mount Pleasure“ hüpfen und uns dann gut gelaunt oder vollkommen verstört von den Klippen stürzen.
„Ich wollte ein Lied, das wie ‚Summer of 69’ klingt, denke ich“ – denkt er? Unentschlossenheit ist nicht gerade das, was gutes Songwriting ausmacht und auch wenn der Opener „Guess who’s gonna get some tonight“ schon sehr munter daher kommt, reicht er so gar nicht an Bryan Adams generationenübergreifende Rock-Hymne heran – wirklich nicht.
Aber kommen wir zunächst kurz auf Moneybrother als Band zu sprechen. Nein, schon falsch – Die Band, die Andres Wenin auf der Bühne unterstützt, heißt eigentlich „Panthers“ und der Name Moneybrother ist allein der Künstlername des Sängers. Wendin hat bereits vor seiner Solokarriere bei den Bands Superwed und Monster gespielt, sich im Jahr 2000 allerdings zu entschlossen sein eigenes Ding zu drehen. 2003 erschien dann die erste LP „Blood Panic“, die es in Schweden immerhin unter die Top 40 schaffte. Das zweite Album „To die alone“ belegte 2005 Platz 1 in Schweden und einen beachtlichen Platz 37 in Deutschland – auch Sarah Kuttner hat sich mehrfach als Moneybrother-Fan geoutet.
Und wo “To die alone” ein eher melancholisches Werk über Liebe und Verlust war, so ist “Mount Pleasure” zumindest musikalisch genau das Gegenteil. Leider bleiben Einfallsreichtum und Liebe zu Detail auf der Strecke. Die meisten Songs sind bunte Knetbällchen, die entstehen, wenn man öde Rock’n’Roll Gitarren, unfassbar kitschige und aufgesetzte Saxophonmedleys und ein ständig Oktaven hämmerndes Klavier in den Mixer wirft und – je nach Song – kurz bis lang ordentlich zerreiben lässt.
Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel - seine Qualitäten was kreatives Songwriting angeht zeigt Wendin zumindest einmal in „It might as well be now“, einem Duett mit der norwegischen Sängerin Ane Brun. Hier springt für einen Moment tatsächlich der Funke über, wenn sich die beiden Protagonisten langsam anzunähern scheinen.
Hört man da eigentlich ab und zu auch ein wenig karibischen Flair raus? Das ist vermutlich gewollt…denke ich.
Ob Moneybrother der Wechsel zum Majorlabel Sony BMG geschadet hat? Über die Gründe für diesen Ausfall kann man nur spekulieren. „Mount Pleasure“ ist wirklich nur etwas für unerschrockene Jünger gute Laune versprühen wollender Stakkato-Songs, die man vielleicht mal als überhörbare Hintergrundmusik laufen lassen kann.
Sehr schade, denn die Themen, die die 10 Songs behandeln wollen, bieten eigentlich genug Inspiration, um hübsch vertont zu werden. Aber irgendwie geht die Musik in den meisten Fällen an der Lyrik vorbei. Vielleicht ist es auch widersprüchliche Kunst – dann ist sie hier und jetzt missverstanden worden und der geneigte Leser sollte sich selbst ein Bild machen.
Bewertung:
Highlights: No Damn! I don’t love you, It might as well be now
Lowlights: Any other heart, Another summer
Weiteres Material: Webseite: http://www.moneybrother.net/ Reinhören: http://www.myspace.com/moneybrother
Tracklist:
1. Guess who's gonna get some tonight
2. Down at the R
3. It will not happen here
4. It might as well be now
5. Any other heart
6. Just another summer
7. It is time for falling apart
8. Will there be music?
9. No, damn! I don't love you
10. I know it ain't right
11. Magic moments

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