Ein Geheimtipp dürften die Fleet Foxes für Viele gar nicht mehr sein, bekommen die 5 Jungs aus Seattle doch gerade ein gewaltiges Medienecho vor allem in den USA und in England (auch wir berichteten). Verständlich, denn mit ihrem Rückgriff auf folkloristische Wurzeln, auf Chöre wie die der Beach Boys und dem Wissen darüber, dass das alles gar nicht so unmodern ist, erobern die Fleet Foxes die Sonnenuntergänge des Sommers.
Matt Hales, 34, Engländer, glücklich verheiratet und Vater eines 2 Jahre alten Sohnes – klingt doch absolut bodenständig. Und als ob es das Schicksal mit dem netten Herren nicht gut genug meint, ist er auch noch ein verdammt guter Musiker, nennt sich „Aqualung“ und teilt sein Glück mit uns allen, indem er uns auf „Memory Man“ emotional intensive und nicht zu knapp epische Popsongs beschert.
Wenn wir schon das Glück haben, dass der Künstler selbst über sein neues und damit drittes Album schreibt, wollen wir ein paar Zeilen zitieren.
“I am called Matt Hales. I'm 34 yrs old, British, male and according to my 2yr old son, yellow. I have been making music since I was a baby. Seems like that's what I'm for. Mercifully, I love it. I love it!
After various good-but-not-very-successful bands and record deals I started Aqualung in 2002. I wanted to make grownup music. Write songs about this curious world that would be truthful, articulate, candid, poetic, sometimes beautiful and occasionally a bit strange. I also wanted to not be in a band anymore.”
Der Herr ist also gelb und hatte keine Lust mehr in einer Band zu spielen, woraufhin er Aqualung als Ein-Mann-Projekt startete. Diese recht vereinfachte Wiedergabe dessen, was Hales mit seiner Musik eigentlich ausdrücken will, trifft es ja schon mal gar nicht auf den Punkt. Versuchen wir es anders.
Auf „Memory Man“ werden 11 Tracks präsentiert, die unglaublich mitreißend sind und fast alles aufbieten, was eine Mischung aus moderner Popmusik und klassischem Songwriting ausmachen muss. Epische Hymnen, aufgeboten mit allerhand Synthies und allem Pop-Pathos, den man sich vorstellen kann, ruhige Gitarren und eine starke bis zuweilen traurige Stimme Hales’, die so einiges an schönen Melodien zu singen weiß – diese Mischung macht das Album zu mehr als einer weiteren Pop-Platte im stets zu schnell rotierenden Musikbusiness und sollte mindestens ein mal angehört werden.
Denn Songs wie „Pressure Suit“, das auch die erste Singleauskopplung und einer der eingängigsten Songs der Platte ist, zeigen nicht nur, dass der Herr, der zusammen mit seiner Frau Kim komponiert, musikalisch so einiges zu bieten hat, sondern auch lyrisch gesehen nicht gerade in der hinterletzten Schublade nach Worten sucht.
“Drift out into darkness
Lost out on horizon
It's alright
It's alright
I'll be your respirator
I'll be your pressure suit
It's alright
It's alright”
So weit in den Himmel geflogen ist selten jemand für die Liebe.
Die Einflüsse für „Memory Man“ beschreibt Hales zum einen als eine Art Furcht vor Kriegen und Umweltveränderungen und zum anderen als überschwängliche Freude über die Geburt seines Sohnes im Jahr 2004.
“And I was reading Beckett and Blake and thinking about fatherhood and fate and love and death and the future.”
“Memory Man” ist nicht einfach nur ein Popalbum. Es ist ein musikalisch abwechslungsreiches Stück Musik, das von einfachen Gitarren und sanften Glockenspielen bis hin zu orchestralem Epos und sphärischen Klängen alles zu bieten hat. Und wenn Hales am Ende in "Broken Bones" tatsächlich in die Weiten des Weltalls hinauszuschweben scheint, wird wirklich alles "alright". Einfach schön. Mehr muss nicht gesagt werden.
Bewertung:
Highlights: Glimmer, Black Hole, Pressure Suit, Garden of Love, Broken Bones
Lowlights: Vapour Trail
Tracklist:
1. Cinderella
2. Pressure Suit
3. Something to Believe In
4. Glimmer
5. Vapour Trail
6. Rolls So Deep
7. Lake
8. Black Hole
9. Outside
10. Garden of Love
11. Broken Bones