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Als sich 2002 in einem Tonstudio in Berlin Annette Humpe und Adel Tawil zufällig über den Weg liefen, ahnte noch niemand, dass das so ungleiche Paar schon bald zusammen Musik machen und 2005 mit Titeln wie „Du erinnerst mich an Liebe“ oder „Dienen“ ein breites Fanspektrum auf ihre Seite ziehen würden. Seit dem 29.6. ist nun das Nachfolgewerk „Vom selben Stern“ zu haben und liefert recht steril produzierten Saubermann-Pop mit butterweicher Moralkeule ab.
Der erste Gedanke, wenn die Platte mit der Singleauskopplung „Vom selben Stern“ beginnt: „Hä? Gastauftritt Gorillaz?“ Der Beat, das Seufzen, das eben jenen begleitet klingt doch sehr nach „Feel Good Inc.“ der mittlerweile in Rente gegangenen Comicfiguren und drückt dem Song direkt einen Stempel auf, der eigentlich nicht sein müsste. Nunja, ob nun daran angelehnt oder nicht, ist „Vom selben Stern“ ein ganz guter Track, der auch eine positive Grundstimmung vermittelt. Sollte das Album in dieser Liga weiterspielen, so wäre die Welt ja in Ordnung.
Dies ist allerdings nicht immer oder gar kaum der Fall, denn grundsätzlich ist „Vom selben Stern“ eine recht schwermütige Platte, die auf ihre Art fast genauso moralschwanger daherkommt, wie es sonst nur unser allseits beliebter Moralübervater Herbert Grönemeyer kann (und darf?).
/Hände weg vom Junk/du hast genug Klamotten im Schrank/dein Leben ist noch lang/hör auf zu konsumiern’/
Hm naja, ok - Botschaft verstanden. Aber Songs wie das eben zitierte „Junk“ kommen einfach so billig produziert und hingewischt daher, dass es einem wirklich schwindelig werden kann. Ähnlich aber noch viel pathetischer gibt sich „Schütze mich“, das wie ein Gebet eines Menschen klingt, der so gar nicht mit sich selbst klarkommt (so weit so künstlerisch gut) – man könnte allerdings meinen, dass das Gesungene aus der Feder eines 8jährigen stammt, der den Wettbewerb „Deine Lyrics auf der nächsten Ich+Ich-Platte“ gewonnen hat. Die Platte wird dann teilweise auch extrem anstrengend, wenn wie in „Nichts bringt mich runter“, einem Song, der genauso gut als Zwischenmusik einer Sendung mit der Maus fungieren könnte, wirklich unglaublich simple Musik mit lässig wirken wollenden, geradezu hingeschluderten Zeilen präsentiert wird.
Es ist am Ende nicht so, dass alle Titel – verzeihung – einfach schlecht sind, aber diejenigen, die etwas durchdachter und sorgfältiger arrangiert klingen, schaffen es nicht, die anderen vergessen zu lassen. Insgesamt wirkt „Vom selben Stern“ doch sehr einfallslos produziert. Die Beats und Samples könnten genauso gut mit einer zweitklassigen Heimcomuter-Software zusammengeflickt sein und die Stimmen des begabten Sängers Adel Tawil und Frau Humpe selbst wirken einfach zu steril, als dass hier auch nur ein paar echte Gefühle vermittelt werden können.
Und wenn die CD ausklingt, bleibt neben einem verzogenen Gesicht auch noch die Vorstellung von kreischenden Teenies bei „The Dome Vol. 145“, die sich von Ich+Ich vermutlich noch beeindrucken lassen.
Zum Video vom besten Track des Albums „Vom selben Stern“ geht’s hier: http://www.ich-und-ich.de/vom-selben-stern/
Bewertung: 
Highlights: Vom selben Stern, Trösten
Lowlights: Junk, Ohne dich
Weiteres Material: Webseite: http://www.ich-und-ich.de Reinhören: http://www.myspace.com/ichundich
Tracklist:
1. Vom selben Stern
2. Junk
3. Stark
4. Schütze mich
5. Nichts bringt mich runter
6. So soll es bleiben
7. Mach dein Licht an
8. Dämonen
9. Ich atme ein, ich atme aus
10. Brücke
11. Ich fürchte mich
12. Trösten
13. Wenn ich tot bin
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