|
Fargo, ein Label aus Frankreich, macht in Indie-Kreisen in regelmäßigen Abständen von sich reden, indem es interessante Compilations musikalischer Nischen zusammenstellt und veröffentlich. Letztes Jahr überraschte man die Hörerschaft mit dem Sampler „Cowboys in Scandinavia“, auf dem die dortige Folk-Szene ins rechte Licht gerückt wurde. Diesmal fällt der Spot auf reinsten, amerikanischen Indie-Folk – geschrieben und gesungen ausschließlich von Musikerinnen.
Viele der auf dem Sampler veröffentlichten Sängerinnen haben gerade erst ihr erstes eigenes Album herausgebracht und werden kaum in Europa vertrieben. Daher ist diese Compilation für Fans oder interessierte Hörer eine Möglichkeit, sich in die manchmal verträumte, manchmal wilde und oft sanfte Welt weiblich interpretierten Folks zu begeben. Musik, die es zwar nie bis ganz oben schaffen wird (und vermutlich auch gar nicht will), aber auf jedem Soundtrack für Roadmovies einen Platz finden könnte.
Für eine Rezension macht es wenig Sinn, stumpf jede der 17 Künstlerinnen mit ihren Songs zu besprechen. Herausgehoben werden sollen die Songs, die beim Hören aufgrund ihrer Einzigartigkeit hängen bleiben und unter den Highlights gelistet sind.
 Da wäre zum einen Alela Diane, einem Mädel aus Oregon, die im Jahre 2003, als sie gerade in San Francisco war, begann Musik zu komponieren. Auf einem Trip durch Europa schrieb sie dann die Songs für ihr Debutalbum „The Pirate’s Gospel“ und nahm es im Tonstudio ihres Vaters in Nevada City auf. Seit 2007 ist sie bei Holocene Music unter Vertrag. Der Song selbst ist ein verschwitzter Südstaatengospel und kommt ganz unverfälscht und rythmisch daher. Yo ho, Piraten (trinkt aus?)!
Dawn Landes hat schon mehr Erfahrung vorzuweisen und hat gerade ihr zweites Album unter den Fittichen von Fargo fertig gestellt. Eine sanfte, volle Stimme voller Gefühl, die mit „Twighlight“ ihre Songwriterqualität unter Beweis zu stellen weiß. Ein zunächst traurig anmutender Song, der sich mittendrin dann plötzlich geradezu marschierend gibt, um stampfenden auszuklingen.
Liz Durrett steuert mit „Knives at the Walls“, einem sehr leisen und recht kurzen Song, ihren Teil zur Compilation bei. Die Dame aus Rome (Georgia) bekam von ihrem Onkel mit 16 eine Gitarre geschenkt, mit der sie „nasty songs about her parents“ schreiben sollte. Nunja, und ehe man sich versieht, schafft man es zu einem eigenen Album - das allerdings über 10 Jahre zurück liegt. Die zweite und damit aktuelle LP heißt „The Mezzanine“ und ist 2006 erschienen.
 Eine durchaus interessante Künstlerin, die etwas aus dem nach einiger Zeit doch recht einseitig wirkenden Folkeinerlei heraus sticht ist Mariee Sioux. Die 21-jährige hat 2006 ihr Debutalbum „A bundled Bundle of Bundles“ herausgebracht und überzeugt mit etwas anspruchsvollerem Songwriting hinsichtlich der Hooklines.
Und dann, nach etwa 63 Minuten, wenn mit dem letzten Song des Samplers Laura Gibson ihren Auftritt hatte, hat man einen wunderbaren Einblick in die amerikanische Indie-Girl-Folk Szene bekommen und ist entweder Fan geworden, geblieben oder keines von beiden. Denn für einige wird der Sampler definitiv zuviel des Guten sein – wenn all die Schmachtfetzen und Laments ein Ende gefunden haben und ausgeklungen sind, möchte der eher europamusikalisch geprägte Hörer eigentlich ganz schnell wieder etwas hören, das dann doch eine Nummer fröhlicher, moderner und weniger nach staubigen Truckstops klingt – Zeit für ein wenig Action im Road Movie.
Bewertung:  Highlights: Alela Diane – The Pirate’s Gospel, Dawn Landes – Twighlight, Liz Durrett – Knives at the Walls, Mariee Sioux – Wizard Flurry Home Lowlights: Keine, da ein Vergleich zwischen den Künstlerinnen nicht fair wäre
Tracklist: 01. Sera Cahoone - Nowhere To Be Found 02. Alela Diane - The Pirate s Gospel 03. Dawn Landes - Twilight 04. Haley Bonar - Daisy Girls 05. Sarah White - White Light 06. Carrie Bell - Rise Off Our Feet 07. Pink Nasty - BTK Blues (feat. Bonnie Prince Billy) 08. Liz Durrett - Knives At the Walls 09. Lauren Hoffman - As the Stars 10. The Innocence Mission - Brotherhood of Man 11. Mariee Sioux - Wizard Flurry Home 12. Bosque Brown - Fine Lines 13. Emily Loizeau - To Make You Feel My Love 14. Kelly McRae - Johnny Cash 15. Jesse Sykes & the Sweet Hereafter - How Will We Know 16. Oh Susanna - Billy 17. Laura Gibson - Country, Country
 - Even Cowgirls Get the Blues bei Amazon bestellen |