 Oh, da ist es schon, das neue Album von „Wir sind Helden“. „Soundso“ heißt das gute Stück, hat sich ganz dem Thema „Arbeit“ verschrieben und ob es musikalisch weniger abschreckend ist, als es das Thema vermuten lässt, gilt es herauszufinden. Also dann mal los. Es gilt eine Rezension zu schreiben. An die Arbeit!
Wir sind Helden gelten ja schon immer als mit politischer und moralgesellschaftlicher Lyrik um sich werfende Kapelle mit dem einen oder anderen dabei herausgekommenen Ohrwurm. Man denke nur an unglaublich gute Stücke wie „Echolot“, „Du erkennst mich nicht wieder“ oder „Nur ein Wort“. Da wird sich mit noch genug Tiefgründigkeit besitzenden, aber gut verdaulichen Texten und wunderschönen Melodien in das Herz des Hörers gespielt. Und nun steht dann also das dritte Album „Soundso“ zum Kauf bereit und führt den Weg der Band zwar konsequent weiter, schwingt aber allzu oft die kritische und doppeldeutige Lyrikkeule, verpackt in nicht unbedingt eingängiger Musik.
Mit „Ode an die Arbeit“ treffen die vier Helden das Thema dann auch als Opener genau auf den Punkt. Hier wird ziemlich direkt gefragt, was denn nun Arbeit ausmacht. Darf Arbeit Spaß machen? Darf man, sobald etwas Spaß macht, überhaupt noch von Arbeit sprechen?
/Was das Schaf da mit dem Gras macht – keine Arbeit/Was man später mit dem Schaf macht – das ist Arbeit/.
Interessanter Song, allerdings nach 2x Hören nicht mehr witzig und musikalisch nicht ausreichend, um danach längerfristig den Text zu übertreffen.
 Und besser wird es mit „Die Konkurrenz“ auch nicht, wenn etwas zu drohend darauf hingewiesen wird, dass man sich nicht davon abschrecken lassen sollte, wenn man sein Leben lebt, wie es einem gefällt und auf allen Seiten Menschen an einem vorbeizuziehen scheinen. Auch hier musikalisch nichts Überzeugendes zu vermelden. Nett, aber nichts, was man im Kopf behält, nichts was man später noch einmal hören mag. Mit „Soundso“ machen die Helden die Sache schon besser. Eingängiger Refrain, verdaulicher Text und eine hübsche Melodie während der Verse. Nett – einfach nur nett.
Nebenbei sei kurz erwähnt, dass Sängerin Judith Holofernes mit ihrem Partner Pola Roy, auch ein Mitglied der Kombo, vor gut 6 Monaten ein Kind zur Welt gebracht hat. Hat das irgendwelche Auswirkungen auf die Platte gehabt? Nicht, dass wir wüssten. Also weiter im Text.
So durchdacht und stilistisch interessant die Wortwelten von Wir sind Helden auch sein mögen, wenn sie sich musikalisch nicht erschließen möchten und einfach nicht über einen interessierten Hördurchgang hinaus kommen, dann funktioniert die Platte nicht. Die Songs bewegen sich musikalisch zu oft in der Mittelmäßigkeit und man bemerkt, wenn es dann schließlich mit „Lass uns verschwinden“ vorbei ist, dass man auf Anhieb bis auf den Schüttelreim mit dem Schaf da nichts behalten hat.
 Und seien wir mal ehrlich – diese Singleauskopplung „Endlich ein Grund zur Panik“, diese ultranervige Hommage an die zu oft grundlose Panik, die eigentlich aus purer Sensationsgier, vielleicht sogar aus Langeweile entsteht (hoffentlich haben wir das jetzt richtig interpretiert), zehrte schon beim ersten Hören an den Geduldsfäden und wird auf der Platte auch nicht besser. Wenigstens das Video dazu ist gut gelungen.
Und wenn dann gegen Ende auch noch gewarnt wird, dass irgendein Krieg zurückkommt, und zwar schneller als man denkt, dass man kriegt, was man verdrängt, dann möchte man schweißgebadet vor Angst und Unsicherheit das Album nur noch schnell aus dem CD-Spieler holen und weit wegwerfen, damit sie nicht noch mehr Unheil heraufbeschwören kann – so böse waren wir dann doch auch nicht, dass wir das verdient hätten!
Einziger wahrer Lichtblick auf „Soundso“ ist „Stiller“. Eine Ballade, die einfach nur schön von der Stimme Holofernes’ getragen wird, lediglich begleitet von ein paar Gitarren und einem gemütlichen Schlagzeug. Keine Trompeten, keine musikalischen Kapriolen, Experimente oder sonstiges Geträller. Ein unglaublich lange herbeigesehnter Track.
Tja, eine Empfehlung gibt es von uns nicht. Schade eigentlich, denn die Stimme von Judith Holofernes ist so schön, man kramt die beiden ersten Platten noch mal raus und lässt sich verzaubern von bereits genannten Stücken. Auf „Soundso“ ist leider bis auf 2-3 Songs nichts, was dem Hörer längerfristig Gefallen bereiten mag. Für uns war die Platte Arbeit, aber vielleicht macht sie dem ein oder anderen ja Spaß.
Bewertung:  Webseite: http://www.wirsindhelden.com Highlights: Soundso, Stiller, Lass und verschwinden Lowlights: Für nichts garantieren, Der Krieg kommt schneller zurück als du denkst
Tracklist: 1. (Ode) An die Arbeit 2. Die Konkurrenz 3. Soundso 4. Für nichts garantieren 5. Kaputt 6. Labyrinth 7. The geek (Shall inherit) 8. Endlich ein Grund zur Panik 9. Der Krieg kommt schneller zurück als du 10. Hände hoch 11. Stiller 12. Lass uns verschwinden -Soundso bei Amazon bestellen - Soundso bei Musicload kaufen
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