 Es gibt da eine deutsche Rock- und Metalband, die eigentlich kein erklärendes Intro benötigt. Daher fassen wir uns kurz: Scorpions, neues und damit 21. Studioalbum, alle Platten zusammen mehrfach Platin sowohl national als auch international. Und was die Jungs heute noch drauf haben, lest ihr hier.
Es ist, als ob die Mannen um Sänger Klaus Meine irgendwie ständig präsent sind. Auch wenn sie kein Album produzieren, machen sie irgendwie auf sich aufmerksam. Egal ob im TV, wenn Klaus Meine wieder in zweitklassig zusammengeschusterten Musiksendungen privater Fernsehsender seinen wertgeschätzten Senf zur Musikhistorie preisgeben darf, oder ob die Band Songs zu diversen „Großveranstaltungen“ beiträgt, wie im Jahre 2000 zur Expo, davor zur Wende. Sie touren zusammen mit Whitesnake, Judas Priest oder Tesla und begeistern überall auf der Welt ihre Fans.
Und nun haben sie ihr bereits 21. Studioalbum aufgenommen und unters Volk geschmissen. „Humanity / Hour 1“ heißt das gute Stück und beginnt so dramatisch, wie sich der Titel auch anhört. Es ertönt kurz eine Computerstimme, die den Hörer freundlich willkommen heißt, um danach sofort von kraftvollen Gitarren abgelöst zu werden. Da wird gleich zu Anfang ein richtiger Kopfnicker aufgetischt, der ganz und gar moralisch daherkommt. Der Mensch an sich sei sein größtes Problem. Er baue sich mit seinen Religionen und Mustern ein Gefängnis und daher sollte man versuchen den Schranken zu entkommen und, falls nötig, schön in Deckung gehen. Hm ja, achso, gut, also dann…ach was solls, Hauptsache ist ja, dass der Song rockt! Und wenn die Platte so weitergeht, dann wird es ein Rockfest.
 Es sei hier doch einmal erwähnt, dass es die Scorpions schon seit den 60er Jahren gibt, genauer gesagt seit 1965, wo sie von Rudolf Schenker, seines Zeichens Saitenzupfer, und Wolfgang Dziony (Trommeln) gegründet wurde. 1969 begrüßten die beiden dann den heutigen Sänger Klaus Meine und Rudolfs Bruder Michael in der Band. Nach kurzer Zeit erspielten sich die Hannoveraner ein breites Publikum und waren bereits 1975 in Europa unterwegs, 1976 sogar im Vorprogramm von Kiss. Was danach folgte, waren zig enorm erfolgreiche Alben und obwohl Bandmitglieder kamen und gingen, bestehen die Scorpions bis heute, allerdings nur noch mit Klaus Meine und Rudolf Schenker aus der Urbesetzung.
Zurück zum Album. „Humantiy / Hour 1“ ist Scorpions pur. Da wird mal ordentlich auf die Kacke gehauen, ohne jedoch die Massenkompatibilität aus den Augen zu verlieren – und das sei nicht negativ gemeint, es ist eben 100% Scorpions – und da werden langsame, äußerst melodische Balladen in das Hörerohr geblasen. So zum Beispiel „The future never dies“, das sich ständig einem geradezu epischen und orchestralen Klimax nähert, um dann alle Klangmöglichkeiten auszuspielen, die eine Rockballade bieten kann.
Das Album, das muss man sagen, ist perfekt produziert. Hier gibt es keine Haken oder Ösen, die Gitarren sind sauber abgemischt und wirken trotz klanglicher Überlegenheit niemals zu aufdringlich. Klaus Meine singt gewohnt souverän und lässt keine Zweifel übrig, dass er es immer noch drauf hat. Und wer letztes Jahr den Scorpionsauftritt in Wacken erlebt hat, durfte sich auch live von der Qualität der Jungs überzeugen lassen – auch wenn Herr Meine hier teilweise nicht ganz so perfekt klang, wie auf der Platte.
 Außerdem hat „Humanity / Hour 1“ so einiges an Ohrwürmern zu bieten. Erwähnt seien hier „You’re loving me to death“ und „321“. Und „We will rise again“. Und “Your last song”. Jaja, wirklich ziemlich viel Mitsingpotential. Und als ganz besonderes Schmankerl hat in „Last Cross“ Smashing Pumpkins Frontmann Billy Corgan seinen Gastauftritt. Der Song an sich ist zwar skorpionisches Standardwerk, wird aber gerade durch die markante und sich von Klaus Meines Gesangsorgan abhebende Stimme Corgans ab Minute 2:30 interessant.
Man kann eigentlich nichts Schlechtes über dieses Album sagen, außer dass es in typischer Scorpions-Manier spalten wird. Wer die Jungs aus Mitteldeutschland (oder ist das schon im Norden?) und deren Musik mag, wird das Album lieben. Wer sich eher dem schnelleren, etwas mehr bollernden Heavy Metal verschrieben hat, wird sich aufgrund des hohen Aufkommens an richtigen „Schmachtfetzen“ eher schützend in einer dunklen Ecke vergraben. Aber was am Ende bleibt, ist ein solides Rockwerk mit genügend Hits zum Mitsingen. Gutes Album. Punkt.
Bewertung:  Website: http://www.the-scorpions.com Highlights: 321, Last Cross, Your last song, You’re loving me to death Lowlights: Love will keep us alive, Love is war
Tracklist: 1. Hour I 2. The game of life 3. We were born to fly 4. The future never dies 5. You're lovin' me to death 6. 321 7. Love will keep us alive 8. We will rise again 9. Your last song 10. Love is war 11. The cross 12. Humanity
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