 Die Nu-Metal Fangemeinde wartete seit Langem auf die Erlösung durch ihre Messiasse, genauer gesagt durch die kalifornische Band Linkin Park, die nun endlich ihr drittes Studioalbum „Minutes to Midnight“ unters Volk bringt. Ob es den Jungs gelungen ist an die gewohnt hohe Qualität ihrer Songs und an den Einfallsreichtum der ersten beiden Alben anzuknüpfen, lest ihr hier.
„Hybrid Theory“ war, als es im Jahre 2000 erschien, eine Offenbarung für jeden Rock- und Metalfan, der sich an die modernen und recht unkonventionellen Klänge der sechs Musiker gewöhnen konnte. Unglaublich kraftvolle Hits wie „Closer“, „In the end“ oder die bahnbrechende Nu-Metal-Ballade „Crawling“ ließen keinen Zweifel übrig, dass man es hier mit etwas Großem zu tun hat und die Scheibe ein Riesenerfolg wird. Auch das Nachfolgealbum „Meteora“ war enorm erfolgreich. Obwohl deutlich weniger Innovation zu notieren war, bewies die Band, dass ihr Stil noch immer gefragt und durchschlagskräftig ist.
Nun steht knapp 4 Jahre später „Minutes to Midnight“ in den Läden und lässt den Hörer erstmal verdutzt vor der Anlage sitzen. Während der Opener „Given Up“ noch ordentlich den Ohrenschmalz aus den verstaubten Ohren pusten kann, wird bereits beim zweiten Track „Leave out all the rest“ die Schmuseseite von Linkin Park ausgepackt – als ob man sich daran gewöhnen sollte, dass Sänger und Frontmann Chester Bennington bereits nach einer stimmbandbelastenden Nummer erstmal eine Verschnaufpause benötigt.
 Weiter geht es im stampfenden „Bleed it out“, das so gar nicht im typischen LP-Stil daherkommt, eher eine „Gute Laune Partynummer“ und nach knapp 3 Minuten auch schon wieder vorbei ist. Und wo wir die Songs schon einzeln durchgehen, muss erwähnt werden, dass nachfolgend nun ebenfalls wieder eine ruhige Nummer ihr Stelldichein hat und die gar noch streichzarter ist als „Leave out all the rest“. „Shadow of the day“ ist eine ziemlich maue und langweilige Ballade, die es eigentlich nicht wert wäre auf ein Linkin Park Album gepresst zu werden – entweder die Band hat zu wenige gute Einfälle gehabt, oder man hat im Studio zusammen die pathetische und melancholisch kitschige Seite an sich entdeckt und gemeinsam händchenhaltend mit verheulten Augen diesen Song geschrieben.
Über die Singleauskopplung „What I’ve done“ ist schon genug berichtet worden, daher verlieren wir nicht allzuviele Worte. Ein guter Song, mehr allerdings nicht. Mehr Worte wert ist „Hands held high“, das – man darf raten – auch nicht dem alten Linkin Park Stil folgt, diesem hochgelobten, oft als Ventil benutzen Rap-Core Sound, der die Nachbarn verschreckt und Schuld daran ist, dass man am nächsten Tag kaum sprechen kann, weil man versuchte zu schreien wie Chester himself. Nein, der Track plätschert mit hübscher Melodie und null Verzerrung aus den Boxen und man möchte sich am liebsten in die Arme fallen, um mit Linkin Park zusammen immer wieder „Amen“ und „Amen“ und „Amen“ zu singen – schnell weiter!
Man muss an dieser Stelle ehrlich sein – die Band hat sich musikalisch durchaus weiterentwickelt. Es sind teilweise hübsche Melodien aus den mehr als 100 Demosongs, die Linkin Park zu Beginn aufgenommen hatten, herausgekommen und auch der Sound ist anders, ja sogar vielfältiger - und er ist insgesamt viel ruhiger geworden. Aber will man das von Linkin Park hören? Eher nicht, denn so ein LP Album wird in den CD-Player geschmissen, um sich musikalisch in Stücke zerlegen zu lassen. Und das ist zumindest bis zu diesem Punkt noch nicht passiert.
 „No more sorrow” macht die Sache schon besser, bietet allerdings viel zu wenig Neues und kann nicht an die alten Songqualitäten anknüpfen. Und als ob man es geahnt hat, folgt mit „Valentine’s Day“ auch schon die nächste Kuschelnummer – Skip – man wird so langsam wirklich ungeduldig und mag es gar nicht glauben. Wenn dann im 10. Song „In between“ die Zeilen /Let me apologize to begin with/Let me apologize for what I’m about to say/ erklingen, meint man fast, dass das alles nur ein Scherz war und Linkin Park uns nun endlich mitten ins Gesicht springen werden. Aber weiterhin Fehlanzeige – der Song dudelt lyrisch zwar interessant, aber musikalisch völlig belanglos vor sich hin. Bei „In Pieces“ ist der Hörer bis auf die letzte Minute dann vollkommen eingeschlafen und mit dem Schlusstitel „The little things give you away“ bringen LP zwar ohne Zweifel die musikalisch beste Nummer, doch dann ist eh schon alles zu spät.
Schade eigentlich – aber wem Linkin Park sowieso schon immer zu hart war, der kann ja mal reinhören. Und die Clips auf der Webseite sind wie immer auch einen Blick wert. Zumindest die Fanbindung gerade über das Internet ist wie bisher enorm gut gelungen.
Bewertung:  Webseite: http://www.linkinpark.com/ Highlights: Given Up, What I’ve done, The little things give you away Lowlights: Shadow of the day, Valentine’s day, In Pieces
Im Forum diskutieren könnt ihr --> hier! - MinutesTo Midnight bestellen Tracklist:
1. Wake 2. Given Up 3. Leave Out All The Rest 4. Bleed It Out 5. Shadow Of The Day 6. What I've Done 7. Hands Held High 8. No More Sorrow 9. Valentine's Day 10. In Between 11. In Pieces 12. The Little Things Give You Away
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