 Der nächste „heiße Scheiß“ oder doch nur lauwarme Brühe? Nach dem monatelangen Hype um „die Sensation für 2010“ sind die Erwartungen riesig und der Druck auf Delphic und ihr Debüt „Acolyte“ enorm hoch. Das Problem dabei ist: Die Band ist kein Konsortium genialer Musiker, die eine tolle Melodie nach dem anderen raus hauen – also lieber mal alle mentale Schubladen leeren, zurück auf Los und dann noch mal von vorn. Vielleicht klappt‘s ja dann.
Zu diesem Zeitpunkt ist es schwer nachzuvollziehen, wo der Hype um Delphic überhaupt seine Wurzeln hat. Irgendwann war diese Band aus Manchester einfach in aller Munde, etliche Magazine betitelten sie schon vor Veröffentlichung ihres Debüts „Acolyte“ als den größten Newcomer in 2010 und jetzt wo das gute Stück das Licht der Welt erblickt hat muss man sich fragen, warum die vier Jungs mit ihrer sterilen Mischung aus 80er Pop, Ambient und Rockanleihen eigentlich besser sein sollen als die unzähligen anderen Acts, die in diese Kerbe schlagen.
Die Antwort liegt nicht auf der Hand und wird schon gar nicht vom Album selbst gegeben – auch nicht, wenn man es wieder und wieder hört. Zwar sind die Songs von vorne bis hinten solide abgemischt und bieten zumindest hier und da mal eine einprägsame Melodie. Wenn aber das Herzstück der LP ein knapp neunminütiger, flatterhafter, vollkommen überladener und zudem noch uneinprägsamer Instrumentaltrack („Acolyte“) ist und das doch so wichtige Schlusslied eine wirklich müde Lounge/House/Pop Mixtur ohne Höhepunkt ist („Remain“), dann ist der Punkt entweder nicht verstanden oder einfach nicht existent.
“Acolyte” hat seine Momente, diese Tatsache darf man dem Album nicht verwehren. Der Opener „Clarion Call“ kommt gar bombastisch aber auf das Wesentliche beschränkt daher, bietet einen enorm tanzbaren Klimax und nimmt sich nicht ganz so wichtig wie viele andere Passagen auf der Platte. Auch der zweite Track „Doubt“ zeigt mit seinen starken 80er-Reminiszenzen und einem druckvollen Refrain noch, was Delphic zu können scheinen. Danach allerdings geht’s musikalisch rapide bergab und wir bewegen uns höchstens mal im Mittelmaß.
Was nach den etwas mehr als 50 Minuten zurückbleibt ist das flaue Gefühl, dass wir es hier mit einem sehr strategisch ausgelegten Hype zu tun haben, der seinem Ruf in keiner Weise gerecht wird. Ein Nachfolger ist vorprogrammiert, muss nach abschließender Betrachtung dann aber nicht allzu früh erscheinen.
th
Bewertung:  Highlights: Clarion Call, Doubt Lowlights: Red Lights, Acolyte, Remain
Tracklist: 1. Clarion Call 2. Doubt 3. This Momentary 4. Red Lights 5. Acolyte 6. Halcyon 7. Submission 8. Counterpoint 9. Ephemera 10. Remain
Weiteres Material: Offizielle Webseite: http://www.delphic.cc Myspace: http://www.myspace.com/delphic Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Delphic
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