Rettet die Huskies! Die Finnen Marko Nyberg, Miika Colliander, Ville Riipa, Anssi Sopanen und deren Sängerin Reeta-Leena Korhola firmieren seit 2002 unter dem flauschigen Namen Husky Rescue, bereiten nicht zuletzt durch die zauberhafte Stimme der Frontfrau eine feine Mischung aus Folk, Electropop und Rock mit wunderbaren Melodien zu und zaubern mit ihrer dritten Studio-LP "Ship of Light" den finnischen Nachthimmel auf den Silberling.
Nein, einen Song von Suede hat er an diesem Abend nicht gespielt, soviel schon einmal vorweg und das war angesichts der bevorstehenden Reunion der spannendsten aller Britpopbands der Neunziger Jahre, geplant ist zumindest ein gemeinsames Konzert in London, auch nicht zu erwarten. Und es war auch gut so, dass Brett Anderson seine 3 formidablen Soloalben für sich stehen ließ, sie sorgsam zelebrierte und ihr herausragendes Potential somit ganz in den Vordergrund stellte.
Dabei war es nicht einmal so, dass er die kammerartige Atmosphäre speziell der beiden letzten Werke „Wilderness“ und „Slow attack“ eins zu eins adaptierte. Anderson riss die feinfühligen Arrangements vieler Songs immer wieder auf und ließ seine prächtig eingespielte Band ordentlich rocken. Songs wie „Julian´s eyes“ oder „The Swans“ hätten in diesen Versionen auch ohne weiteres von Suede stammen können, zumal Brett Anderson wie in früheren Zeiten, ganz der charismatische Frontmann, lasziv über die Bühne tänzelte und energetischer denn je wirkte. Noch immer strahlt Anderson diesen unwiderstehlichen Glamour aus und wirkt trotzdem entspannt und unbefangen wie lange nicht. Das Knust erlebte an diesem Abend wahrlich ein mehr als berauschendes Konzert.
Auch gesanglich bot Anderson eine herausragende Leistung, legte Pathos zwischen die Zeilen und war besonders in den ruhigen, intimen Momenten beinahe überragend. „The empress“ oder „Chinese whispers“ wirkten so voller Hingabe intoniert, dass es im Publikum, das an diesem Abend ohnehin auffallend aufmerksam war, beinahe schwelgerisch zuging. Dazu wechselte Anderson immer wieder ein paar wenige Worte mit dem Publikum und strahlte durchweg eine völlig gelassene Ruhe aus.
Brett Anderson – Frozen Roads (aus Köln)
Dieser Mann strotzt vor Selbstbewusstsein und hat offensichtlich wieder Spaß an dem was er tut. Die Anerkennung der letzten Alben und des Publikums mögen ihm Recht geben, vielleicht auch die Vorfreude auf die Reunion seiner früheren Band, die ihm wieder eine breitere Aufmerksamkeit zukommen lassen wird.
„I don´t have any more songs“ kündigte er einen der letzten Songs des Abends schmunzelnd an. „Song for my father“ brachte in wenigen Minuten dann noch einmal all das auf den Punkt, was Anderson samt Band in den vorherigen knapp 90 Minuten eindrucksvoll boten; ein edles Konzert voller Leidenschaft. Zum Schluss sank Anderson auf die Knie und flehte die letzten Zeilen förmlich ins Mikro. Das war ein hinreißender und ganz und gar kitschfreier Moment. Nicht wenige werden sich darauf freuen, die vielen großen Suede-Hits bald vielleicht auch mal wieder live hören zu dürfen. Auf künftige Solomomente wie diesen im Hamburger Knust wird aber sicher keiner der anwesenden Fans mehr verzichten wollen.