 Mit „The Trials of Van Occupanther“ sorgten Midlake 2006 dafür, dass sich die Kritiker förmlich überschlugen ob dessen, was da aus dem texanischen Denton ans europäische Festland gespült wurde. Vom besten Album des Jahres 2006 war da die Rede und doch fehlte es hierzulande letztlich an der verdienten Beachtung. Das neue Werk sollte dieses Manko ein wenig aufarbeiten und klingt auch diesmal wie aus der Folkschatzkiste entschlüpft, lässt die Popmomente allerdings vermissen und entzieht sich in seiner vermeintlichen Kargheit komplett allen zu hohen Erwartungen.
Verglichen werden Midlake oft mit Bands, bei denen eigentlich gar kein männlicher Sänger am Mikrofon steht: Pentangle oder The Incredible String Band sind da ganz weit vorne. Aber wenn man will, darf man ruhig auch Jethro Tull und die Fleet Foxes einreihen, sodass sich herauskristallisiert, wohin die Reise geht. Midlakes Lieder sind verwurzelt, und hier trifft es das Verb in der Tat sehr gut, in jenem traditionellen Folk, der Ende der 60er Jahre schon das Heil in der Vergangenheit suchte und sich auch nicht scheute mal Bäume zu umarmen.
Zwei Jahre haben sich die Mannen um Tim Smith dann auch Zeit gelassen, um den Nachfolger von „The Trials of Van Occupather“ zu komponieren, zu texten und zu produzieren. Dabei versuchte sich die Band diesmal in der Zusammenarbeit mit einem Toningenieur, der, so Smith, zwar hilfreich gewesen sei aber am Ende doch zur Erkenntnis führte, dass ein bandfremder Produzent wohl niemals in Frage käme. Wer gibt auch schon gerne Songs in fremde Hände, an denen so lange gefeilt wurde?
Und so gemächlich wie Midlake “The Courage of Others” geschaffen haben, so ruhig und gelassen aber auch düster und melancholisch, ja manchmal gar tragisch, tropfen die elf Titel wie bleischwere Regentropfen auf das Gemüt des Hörers. Die musikalische Untermalung, die diesmal weitgehend auf keyboardunterstützte Popmomente verzichtet, nähert sich in Teilen sogar mittelalterlichen Harmonien, spannt den Bogen aber nie zu weit und lässt stets einen Fuß in der Moderne, sodass wie etwa in „Winter dies“ auch mal ein Gänsehaut erzeugendes E-Gitarrensolo erlaubt ist.
As the spring is made alive the winter dies / And the final cries of creatures are long behind / nd full of spirit the village starts again / With one more year for a man to change his ways
I will take my rest / With all creatures who dwell / Under the smallest of green / I'll remain no more than is required of me / Until the spirit is gone / I will long to see all that waits to be known / And all that will never be known
Um sich davon überzeugen zu lassen, dass die Musik auch die wahrlich poetischen Texte ganz wunderbar untermalt, braucht es nicht einmal zwei Songs. Midlake besingen das Gute, das im Ursprung war, stets neu erschaffen wird und im Neuen wenigstens einen Moment lang anhält genauso wie das für immer ungewisse Ende. Im Sommer hätte das Album wahrlich nicht erscheinen dürfen - und eigentlich passt es auch gar nicht in diese Zeit.
th
Bewertung: Highlights: Acts of Man, Fortunes, Bring down, Fortune Lowlights: -
Tracklist: 1. Acts of Man 2. Winter dies 3. Small Mountain 4. Core of Nature 5. Fortune 6. Rulers, Ruling all things 7. Children of the Ground 8. Bring down 9. The Horn 10. The Courage of Others 11. In the Ground
Weiteres Material: Offizielle Webseite: http://www.midlake.net Myspace: http://www.myspace.com/midlake
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