 Bei den letzten beiden Editors-Alben „An End Has A Start“ von 2007 und „The Back Room“ von 2005 fragte man sich immer, wer hier eigentlich wen kopiere. Interpol die Editors oder die Editors Interpol? Fakt ist, dass Interpols letzte Platte „Our Love To Admire“ vor zwei Jahren veröffentlicht wurde und – seien wir mal ehrlich – außer „The Heinrich Maneuver“, das dieses Jahr auch als Single herauskam, nicht viel Überwältigendes zu bieten hatte.
Auch die Editors verblüfften bisher nicht unbedingt mit ausgefallenen Songs, zumal der Eindruck eines Interpol-Klons durchaus gerechtfertigt war und sich die Jungs aus Birmingham nicht wirklich Mühe gaben, diese musikalischen Parallelen zu umgehen. Umso mehr Zweifel machten sich nach der Kunde über ein neues Album breit und umso entwaffnender war das Ergebnis zunächst, das uns „In This Light And On This Evening“ bescherte.
Denn der gleichnamige Opener ist mit großem Abstand der passendste, epischste und vor Spannung fesselndste, den die Editors je hervorgebracht haben. Beinahe einer magischen Beschwörungsformel gleich, raunt Tom Smith mit grundtiefer Stimme eine Hommage an London ins Studiomikro und bereitet mit einer Seelenruhe auf die Monumentalität, die in diesem Song noch kommen soll, vor.
Die darauffolgenden Stücke, wie „Bricks & Mortar“ oder „Papillon“, welches übrigens als Vorab-Single auf den Markt kam, setzen die Großartigkeit von „In This Light And On This Evening“ dummerweise nur einigermaßen zufriedenstellend fort. Eher noch scheint die Editors ein wenig der Mut verlassen zu haben, denn auch die darauffolgenden Titel zeugen nicht von großen kreativen Schaffensphasen, weder textlich noch musikalisch. Viel mehr dient das Indie-Album fortan nur noch mit poppigen Synthesizer-Stücken und ewig wiederkehrenden Textpassagen.
Vielleicht ist die Band ja auch einfach nur von sich selbst eingeschüchtert und denkt, sie bringe eh nichts Besseres als den Opener hervor. Recht hätten die Editors damit schon. Doch plötzlich ist da „The Big Exit“, das wieder diese gewisse Zwielichtigkeit vom Anfang ausstrahlt. Auf der einen Seite geheimnisvoll und düster, annähernd explosiv und mit einer gewissen Abgeklärtheit versehen, auf der anderen Seite durch den stimmlichen Wechsel zwischen hohen und tiefen Tonlagen fast ausgelassen.
„The Boxer“ darf dann wiederum in die Kategorie „Reizlose Balladen“ geschoben werden, lediglich der Text à la „ I wanna dance with the city/ Show me something ugly/ Show me something pretty“ ist noch so metaphorisch, dass man ihm Bedeutung zuschreiben kann. „Walk The Fleet Road“ dagegen geht mit ruhigen letzten Synthesizern als Vorstellung von einem gelungenen Albumausklang gern konform.
Alles in allem ist das Resultat der neuen Editors-Platte jedoch relativ ernüchternd. Aber es ist auch nicht unbedingt einfach, sich an der eigenen Messlatte zu orientieren und dann auch noch dauerhaft über sich hinauszuwachsen. Doch in knapp 4 Minuten haben die Editors dies ja trotzdem geschafft.
Julia Fischer
Bewertung:  Highlights: In This Light And On This Evening, The Big Exit, Eat Raw Meat = Blood Drool Lowlights: Papillon, The Boxer
Tracklist: 1. In This Light And On This Evening 2. Bricks & Mortar 3. Papillon 4. You Don’t Know Love 5. The Big Exit 6. The Boxer 7. Like Treasure 8. Eat Raw Meat = Blood Drool 9. Walk The Fleet Road Weiteres Material: Offizielle Webseite: http://www.editorsofficial.com Myspace: http://www.myspace.com/editorsmusic Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Editors
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