 Die Beinahe-Großstadt Örebro im südzentralen Schweden, die einem so gut wie nichts sagt und von der man keinerlei Vorstellungen hat, bietet offensichtlich doch so einiges mehr als nur kleine rot gestrichene Holzhäuschen und süßklebrige Kanelbullar. Mal abgesehen davon, dass Örebro den einen oder anderen Philosophen und Schriftsteller vorweisen kann, sind uns doch die schwedischen Talente eher aus Göteburg, Malmö, oder Stockholm bekannt. Aber Örebro? Die vier Mitglieder von Elephant versuchen uns eines Besseren zu belehren.
Bereits im Oktober 2008 waren die 13 Songs des Albums „Icebreaker“ komplett und fertig. Nun, ein Jahr später, veröffentlichen Elephant ihr Debüt auch hierzulande. Ob das genügt, um das Eis als Revolutionäre zum Schmelzen zu bringen und Elephant ein chronischer Erfolg zuteil wird, steht noch aus. Aber es geht ja im Leben nicht immer um den großen Durchbruch oder um Geld. Einigen Musikern ist es einfach wichtig, ihre, wie sie von sich selbst sagen, andere oder spezielle Musik unter die Leute zu bringen. So abgedroschen das auch klingt, aber manchmal ist es schon ein persönlicher Erfolg, irgendeinen Hörer mit irgendeinem der Songs irgendwie zu erfreuen. Sagen jedenfalls viele von diesen Bandtypen.
Angeblich dem Grunge verfallen, warten Elephant bei „Icebreaker“ mit mehr Instrumentarisierung auf, als viele Grungebands es jemals taten. Einzig und allein die Stimme des Frontmannes Simon Persson ähnelt Curt Cobain, aber dafür kann er ja auch nichts. Der Opener „Believe me“ und der darauffolgende Song „Closer“ zeugen schon von Besonderheit und überzeugen wiederum, dass die Gewinner im Kampf um Grunge-Originalität eindeutig Elephant sind.
 So gut und einfallsreich die ersten Minuten des Longplayers auch verstreichen, zum Ende hin ist der Unterschied zwischen „Still Hold You In My Head“ und „Maybe We Should Live Together“ nicht eindeutig auszumachen. Oftmals ist die Ähnlichkeit zwischen den Songs genauso verblüffend wie die Eigentümlichkeit. Mit dem Akustiksong „Believe Me Outro“ versuchen Elephant aber nochmals gezielt mit der Spitzhacke ins Eis zu schlagen, als würden sie um jeden Punkt Einzigartigkeit kämpfen und doch nicht den Eindruck einer x-beliebigen schwedischen Band hinterlassen wollen.
Das Bemühen, „Icebreaker“ nicht nach aalglatten Tonstudioaufnahmen klingen zu lassen, ist unüberhörbar. Songs wie „Again You Lose“ oder „Talking“ wären absolut unauthentisch, wären sie nicht so kernig. Aber nicht allein Simons rauchige Stimme trägt dazu bei. Unwirsche (Bass-) Gitarren verschwören sich zusammen mit temperamentvollen Drums und leicht entrückten, dennoch melodieverliebten Kleininstrumenten zu wahrhaftigen Biestern. Ungezähmt, aber nicht herzlos, brechen sie zwar keine riesengroßen Eisbahnen, dennoch schaffen sie es, in 42 Minuten keine musikalisch bedingten Depressionen oder Ansätze davon beim Hörer hervorzurufen. Dazu steckt ein winzig kleiner Hauch zu viel Indie in ihnen. Vielleicht ist Grunge aber heute auch einfach Indierock.
Julia Fischer
Bewertung: Highlights: Believe Me, Closer, Again You Lose Lowlights: It’s Nothing, The Freak, Still Hold You In My Head
Tracklist: 1. Believe Me 2. Closer 3. Everything Stops 4. Talking 5. Panic Syndrome 6. Again You Lose 7. It’s Nothing 8. This Long Road 9. The Freak 10. I Remember I Said 11. Still Hold You In My Head 12. Maybe We Should Live Together 13. Believe Me Outro
Weiteres Material: Offizielle Webseite: http://www.myspace.com/elephantsweden
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