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Wenn 2 Mädels den Begriff “Popmusik” in einem Sack kidnappen, ihn in ein mit rosa Tapeten verkleidetes Zimmer voller Kuscheltiere und Spielzeug verschleppen, dort mit einem Vorschlaghammer kichernd in unzählige Stücke zerschlagen, um ihn dann liebevoll wieder zu einem neuen Gebilde zusammensetzen, dann kommt „The Adventures of Ghosthorse and Stillborn“ heraus.
Ohne Bedenken kann ich sagen, dass ich ein solches Album noch nie gehört habe. Dies sei zunächst vollkommen ohne Wertung gesagt – es ist einfach ganz anders als alles andere, was mir bisher unter die Ohren gekommen ist. Die Musik von CocoRosie basiert, das kann man nicht abstreiten, auf Popmusik. Doch wie weit die beide US-amerikanischen Schwestern Bianca und Sierra Casidy diesen Begriff dehnen, lässt sich zunächst weder erahnen noch eindeutig beschreiben. Da mischen sich Operngesänge mit Spielzeugeräuschen, Elektrosamples mit kindlichem Gesang.
 Einfach ist das Album nicht. Ganz im Gegenteil sogar, denn beim ersten Durchhören werden sich die einzelnen Songs aufgrund der schieren Überforderung durch verschiedenste Klangbilder und Geräuscharrangements, dem Hörer kaum erschließen. Die beiden Opener des Albums, „Rainbow Warriors“ und „Promise“, sind hier noch die konventionellsten Songs der Platte – und dazu auch gleich noch zwei der besten. „Promise“ zum Beispiel verbindet grandiosen Trip Hop mit der naiven Art und Verspieltheit von CocoRosie.
Wer sind diese beiden Mädchen? Bianca (23) und Sierra (25) Casidy, ursprünglich aus Iowa, Kinder einer missglückten Ehe, wohnen, seitdem Sierra nach einem Ausbruch ins ferne Europa aus Paris zurückgekommen ist, gemeinsam in einer Wohnung in Brooklyn, wo sie sich dazu entschlossen, ihr mittlerweile drittes Album aufzunehmen. Ihr Debutalbum „La Maison de mon Reve“ („Das Haus meiner Träume“) wurde 2003 im Badezimmer eines Appartments im 18. Bezirk von Paris aufgenommen und galt als Perle moderner Underground Indie-Musik. „The Adventures of Ghosthorse and Stillborn“ entstand in Island und wurde mit Valgeir Sigurdsson produziert, welcher sich schon durch die Zusammenarbeit mit Björk einen Namen gemacht hat.
 Man kann dieses Album kaum beschreiben. Es ist himmlisch, geradezu beängstigend niedlich und verzaubernd. Es ist seltsam, bedrückend und verquer. Es fahren Fahrräder durch Lieder, es scheppern Klapperkisten durch das musikalische Bild und es bimmeln Töne wie aus alten Atarispielen aus den Lautsprechern. Es treffen schöne Melodien direkt ins Herz, es streicheln die Stimmen von Bianca und Sierra die Seele. Es ist unbedingt zu empfehlen in dieses Album reinzuhören, auch wenn man am Ende nichts damit anfangen kann und es gleich wieder zurück ins Regal stellt, wo es nachts in einem unbeobachteten Moment das Dunkel ein wenig Rosa wirken lässt.
Wenn ihr Lust habt, dann schaut euch doch mal die Videos an, die wir unten verlinkt haben.
Bewertung: Webseite: http://www.cocorosieland.com Highlights: Rainbow Warriors, Promise, Raphael
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