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Schön, dass es endlich eine Band gibt, die sich ausgiebig und aufopfernd um die Gesundheit ihrer Mitbürger und Mitbürgerinnen kümmert und sich dementsprechend betitelt. Die Rede ist von HEALTH, eine der wohl derzeit aufstrebendsten Noise-, Trash- und Electrochaos-Bands, die sich auch hierzulande immer mehr Beliebtheit erfreut.
HEALTH helfen wirklich, denn Sie fördern beispiellos und zielgerichtet die fünf Sinne ihrer Hörer! Die vier Jungs aus Los Angeles kümmern sich mit ihrem zweiten Studioalbum „Get Color“ rührend um Sehen, Schmecken, Hören, Riechen und Tastsinn des Menschen und tragen obendrein noch dazu bei, dass sich unsere Garderobe nicht nur auf Grau und Schwarz beschränkt, sondern plötzlich bunt glitzert und funkelt und geradezu nach Disco schreit. Gut gekleidet potenziert sich doch der Wohlfühlfaktor reibungslos und hebt mit Sicherheit auch das Ansehen bei anderen Bandmerch-Besitzern, die ganz bestimmt vor Neid erblassen würden bei den schrillen Farben, die HEALTH in ihrer T-Shirt-Linie präsentieren. „Get Color“ hält, was es verspricht und Shirts sowie Cover sind die reinsten Augenweiden, Blickfänge und Blendwerke.
 Zur Bewusstseinssteigerung bedarf es also nicht immer diverser illegaler Hilfsmittel, auch wenn die LP teilweise klingt, als wären Drogen im Spiel gewesen. Für die auditive Wahrnehmung ist das Album mehr Schmaus als Graus. „In Heat“ ist im Grunde reiner Noise mit einer gewissen Ordnung, kurz und auf den Punkt kommend und klingt gesanglich leicht psychedelisch, so als hätten sich Caribou mit Battles zusammengetan. Genauso verhält es sich mit „Die Slow“, einem der melodiösesten Titel und in Anbetracht der Selbstcharakterisierung mit den drei schönen Worten „Noise/Disco/Fashion“ ist „Die Slow“ wirklich einer der stylishen unter den 9 Tracks.
Die haptische Wahrnehmung, also der Tastsinn, kommt auch nicht zu kurz, denn bei den Beats und Bässen, bei diesen Rhythmen, Geschwindigkeiten und dem offensichtlichen Drang nach regelrechter Verwirrung wird körperliche Ertüchtigung zu „Get Color“ definitiv nicht fehlen. Warum sollte man auch bei „Severin“ oder „Eat Flesh“ still sitzen bleiben? Womit wir auch schon beim Schmecken wären, der – wissenschaftlich ausgedrückt – gustatorischen Wahrnehmung. Schmeckt der Hörer hier nicht den Schweiß aller vier HEALTH-Bandmitglieder im Mund, hervorgebracht durch die ausufernde musikalische Extase, der die ganze Mühe zugrunde liegt? Schmeckt er nicht die zig Liter Bier, die daran glauben mussten, nur um die Arbeit für dieses knapp 33 Minuten lange Album erträglich zu machen? Imponieren ihm nicht der Spaß und der Stolz, die beide während der Aufnahmen entstanden und gewachsen sein müssen? Man sollte schon alle Sinne beisammen haben, um diese Art von Musik zu mögen. Sie riecht auf jeden Fall nach einer Menge Herzblut.
„Nice Girls“ schmettert, als würden HEALTH auf ein Klettergerüst einschlagen und dabei Melodien erzeugen, die energiegeladener nicht sein könnten. Von „Death+“ gar nicht zu reden – so klingt also der Tod, wenn er gut gekleidet ist. „Ungesund!“, würden hier manche rufen, aber spätestens beim Aufbau des charmanten Spannungsbogens gibt es wieder Adrenalin en masse: für den Kreislauf kann das nur gut sein.
„Get Color“ ist definitiv Krach mit System und das alles tun HEALTH nur für unser Wohlbefinden. Der Name ist tatsächlich Programm. Und wenn es auch nicht die Discomusik ist, die so manch einer erwartet, man kann sich durchaus doch dazu bewegen.
Von den gesundheitsfördernden Klängen darf sich in einigen Städten bald selbst überzeugt werden, denn HEALTH sind vom 13.10. bis 18.10.2009 in Deutschland auf Tour.
Julia Fischer
Bewertung:  Highlights: In Heat, Die Slow, Nice Girls, Death+, We Are Water Lowlights: In Violet
Tracklist: 1. In Heat 2. Die Slow 3. Nice Girls 4. Death+ 5. Before Tigers 6. Severin 7. Eat Flesh 8. We Are Water 9. In Violet
Weiteres Material: Offizielle Webseite: http://www.healthnoise.com Myspace: http://www.myspace.com/healthmusic
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