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Von der kahlen Wand des Epplehauses in Tübingen stechen neonfarbene Riesenbuchstaben ins Auge. Sie reihen sich zu einer durchaus vollmundigen Parole: „Aufgewachsen mit den Synthesizersounds der ersten populären Computerspiele, mitgerissen vom Krieg der Sterne und in die Zukunft gejagt vom Terminator“. Ich lese gebannt weiter und meine ungläubigen Augen erblicken diese Zeilen: „Wir sind die Bruchstelle zwischen Vergangenheit und Zukunft“.
Alles an diesem Ort fasziniert mich heute Nacht, denn von überall her strömen die seltsamsten Gestalten. Menschen mit bunten Hosen, Brillen und womöglich noch bunteren Fantasien scheinen sich hier zusammen zu rotten. Alles wartet, alles schreit nach der Band des Abends: Typ:T.U.R.B.O.
Die Kölner Avantgarde-Underground-Electro-Hiphop-Indie-Helden, welche sich für die Parolen an der Wand zu verantworten haben, sollen heute Nacht das Epplehaus, mit einer Zeitmaschine, für eine Weile mit in die Zukunft nehmen.
Was vor etwa 10 Jahren mit Dj-Sets in der Kölner Undergroundszene begann hat die drei „Typen“ nun zu ihrem Debutalbum „Gasturbinen“ geführt. Pat, Lionel Cutz und J-Cop, wie sich die Herren Turbo selbst betiteln haben dafür 15 Songs geschrieben. Sie schweben irgendwo in den Himmeln von Deichkind, The Prodigy und dem, heute leider stark verkannten, Hip Hop der 80er Jahre.
 Bald ist 23 Uhr und die Party beginnt. Natürlich, liebe Mitdenker, schreiben wir das Jahr 2009. Doch fühlt sich die Musik von Typ:T.U.R.B.O. doch tatsächlich an wie die Zukunft höchst persönlich. Sie starten mit „Gasturbinen“, dem Titelsong ihres Albums, und die Menge flippt aus. Ich fühle mich plötzlich wie auf einer fantastischen Neonrakete, die die Welt umrundet. Ich sehe diese große Welt von oben und brauche kein Kokain, denn meine „Liebe fließt jetzt in Worten und verbrennt in Gasturbinen“.
Neonröhren, Neonbänder, alles schwitz alles tanzt. Über „Satisfaction“ und dem bizarren „E-Moi“, erreicht die Stimmung beim Song „1000 Farben“ ihren Höhepunkt. Der Bass peitscht und schwingt sich zu einem mächtigen Erdbeben empor, welches die Wände des beschaulichen Epplehauses einreißen muss.
Die vielleicht knapp 400 Mitreisenden werden durchgeschüttelt und immer wieder auf und ab geworfen. Typ Turbo beweisen mit ihren Texten heute, dass sie keine Partyhiphopcrew sind. Wer das sagt, versteht sie völlig falsch. Dennoch ist dieses „Zurück in Zukunft Teil 576“ heute Nacht genau das Richtige.
Die Masse tanzt wie im Delirium zu „Medizin“ und reitet diese Rakete zur Überschallgeschwindigkeit. Der Abend endet mit „Amouroux“ und vielen Hunderttausend glorreichen Zugaben. Der Bass dröhnt noch auf dem Heimweg im Ohr als würde mich dieses Erdbeben noch Wochen begleiten, an Besinnung ist nach dieser galaktischen Nacht nicht zu denken. Doch die Wände des Epplehauses haben gehalten.
Und ja, wir haben heute Nacht ferne Planeten und Galaxien erforscht, die Zukunft selbst wahrhaftig vor unseren staunenden Augen gesehen. Diese Nacht war der erhoffte Ritt auf der Rakete, der Flug mit der Zeitmaschine und die Überschallgeschwindigkeit höchst selbst.
Typ Turbo sind nicht mehr und nicht weniger als die neue Szenedroge. Dieser Trip taucht die Welt in bunte Neonfarben und schreit vor unbändiger Energie und Turbostyle.
„Unser Sound verändert sie und sie und ihn und ihn und doch jeden“, eine sehr wahre Zeile!
Stefan Sommer
Weiteres Material: Offizielle Webseite: http://www.myspace.com/typturbo
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