 Wer ein Konzert der Eels – oder besser – von Mark E. Everett besucht, der muss sich nicht wundern, wenn nicht exakt das passiert, was erwartet wurde. Da kann es eben auch vorkommen, dass nach der Vorband und vor dem Hauptact ein einstündiger Film über Everetts Vater, den Quantenphysiker Hugh Everett, gezeigt wird. Wen das nicht abschreckt, der wird sowohl dort als auch mit „Hombre Lobo“ bestens bedient. Immer noch ist Everett einer der am wenigsten bekannten Romantiker der Pop- und Rockmusik.
Hombre Lobo – der Werwolf. Es ist weder Abgesang auf den „Dog faced Boy“ noch ein des nachts Menschen reißendes Wesen, das E hier als Vorlage zum siebten Album dient. Es ist die Inkarnation des unkontrollierten Verlangens - etwas, das nur schwer kontrollierbar ist. Liebe, Sehnsucht, unbändiges gegen himmelschreiendes (auch im wörtlichen Sinne), verzweifeltes Verlangen – die „12 songs of desire“, die Everett auf „Hombre Lobo“ intoniert, reichen von grantigen Blues-Peitschen wie „Tremendous Dynamite“ und „Prizefighter“ bis hin zum vielleicht verträumtesten Titel, den die Eels je spielten - „The Longing“.
Everett, der Sohn des eingangs erwähnten Quantenmechanikers Hugh Everett und einer Lyrikerin, der in einem mit nur wenigen armen Seelen besetzten Dorf in Virginia aufwuchs, gibt sich auf dem Cover zwar wieder geheimnisvoll, nicht unpassend mit Bart und wirkt ein wenig wie ein alter Stelzbock auf der Suche nach jungen Mädels. Doch verliert die Schreckgestalt im Zuge der zwölf Titel zwar nicht sofort, doch spätestens gegen Mitte der Scheibe die Distanz zum Hörer.
 Es sind Momente wie im auf den ersten Blick verwegenen, auf den zweiten nach Hilfe rufenden „Fresh Blood“, in dem Everett auf der Suche nach Erlösung von der Qual seines Verlangens sucht. Und wie ehrlich der Protagonist es meint, wird im wunderbaren „The Longing“ erst richtig klar. Selten hörte man sich jemanden so sehr in Gedanken an seine (hoffnungslose?) Liebe verlieren wie hier.
Das alles klingt wahnsinnig traurig und melancholisch und es wäre auch zum stillen Weinen, wenn die Songs nicht jeder für sich mit wunderbaren Melodien und sehr eigenen, greifbaren Stimmungen aufwarten würden. „Hombre Lobo“ ist mit seinem suchenden Charakter, der in jedem Lied aufs Neue zum Vorschein tritt, zwar das erste Album, das rein auf Fiktion beruht, doch zitiert es sowohl lyrisch als auch musikalisch ältere Werke, die Themen behandeln wie etwa fehlendes Zugehörigkeitsgefühl zur Gesellschaft.
Eels Fans werden das Album ohne Probleme in ihre Sammlung aufnehmen. Neulinge dürfen beherzt zugreifen und sich dem Thema mit Vorsicht nähern. Nach Durchhören von „Hombre Lobo“ seien dann „Shootenanny!“ und „Souljacker“ empfohlen.
Und wer Everett noch viel besser verstehen möchte, dem sei die Autobiografie „Things The Grandchildren Should Know“ empfohlen, die gerade unter dem Titel „Glückstage in der Hölle“ in Deutschland erschienen ist.
Thomas Henz
Bewertung: Highlights: That look you give that Guy, Tremendous Dynamite, The Longing, Fresh Blood, Ordinary Man Lowlights: What’s a fella gotta do
Tracklist: 1. Prizefighter 2. That Look You Give That Guy 3. Lilac Breeze 4. In My Dreams 5. Tremendous Dynamite 6. The Longing 7. Fresh Blood 8. What's A Fella Gotta Do 9. My Timing Is Off 10. All The Beautiful Things 11. Beginner's Luck 12. Ordinary Man
Weiteres Material: Offizielle Webseite: http://www.eelstheband.com Myspace: http://www.myspace.com/eels
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