Schon vor einiger Zeit berichteten wir von eben jenem Zusammenschluss eines französischen Filmkomponisten und einer finnischen Sängerin, der sich anschickt unter dem Namen „The Dø“ (sprich "doe") feinste, mal avangardistische, mal ganz klassische Popmusik unters Volk zu bringen. Und wenn die Exzentrik unserer Nachbarn auf eine skandinavische Samtstimme trifft, dann kommt eine fast superbe Mischung dabei heraus.
Wer steht nicht auf gut produzierte Platten? Solche also, die kunstfertig gemacht sind, denen man anhört: Da war ein Profi am Werk. Und im Prinzip ist Moby ja auch ein Toningenieur, der bereits vor seinem internationalen Durchbruch Ende der 90er für Michael Jackson, Brian Eno oder William Orbit Songs abgemischt hat. Und so belegt auch sein neues Werk „Wait for Me“ das handwerkliche Geschick des Meisters und klingt fabelhaft geschmackvoll. Selbstverständlich tönt da nichts harsch, selbstverständlich sind die Synthesizer perfekt programmiert.
Was ist eigentlich eine Plattenrezension und was qualifiziert einen Autor dazu über irgendjemandes Musik zu schreiben - und vor allem nach welchen Kriterien? Ist man damit Kritiker, der einer Allgemeinheit erklärt, was gut und schlecht ist, weil sie selbstständig dazu nicht in der Lage ist, und sich damit für zwei Tage einen Eintrag bei Google-News sichert, als der letzte Beschützer des heiligen Grals von „wahrem Geschmack“, wie Reich-Ranicki das gerne in Bezug auf Bücher für sich in Anspruch nimmt?
The Parlotones - A World next Door to yours (VÖ 26.6.09)
29.06.2009
Dass aus Afrika musikalisch mehr kommt als nur interessante Beats, die sich eine Saison lang gut in westlichen Pop- und Rocknummern machen, ist seit Dear Reader kein Geheimnis mehr. Und hatten wir es dort noch mit feinfühligen und unaufdringlichen Popbonbons zu tun, wandeln die Parlotones mit ihrem Zweitwerk fast schon stadiontauglich auf den Pfaden von Snow Patrol und den Killers.
Zehn Jahre mussten ins Land gehen, bis sich die Ska-Spezialisten aus London für ein neues Opus wieder ins Studio wagten. Zehn Jahre, in denen ihre Fans sich mit nur einem (aber dafür grandiosen) Album „Wonderful“, wenigen Live-Gigs und aufgepeppten „Best of“-Samplern begnügen mussten. Wer so lange auf sich warten lässt, gerät schnell in Vergessenheit und muss sich schon etwas Besonderes einfallen lassen, um wieder aufzufallen.
Gefühlt haben Gossip, die das „The“ nun endgültig hinter sich gelassen haben, erst ein Debüt herausgebracht, das ihnen mit dem Titeltrack „Standing in the Way of Control“ den Weg auf die internationalen Bühnen ebnete. Tatsächlich hat die dreiköpfige Band, die um ihr Zentrum Beth Ditto kreist, schon drei Studioalben veröffentlicht und macht das Quartett unter der Obhut von Erfolgsproduzent Rick Rubin mit „Music for Men“ vollständig. Dabei geben sich Gossip elektronischer und reduzierter als noch zuvor.
Wer ein Konzert der Eels – oder besser – von Mark E. Everett besucht, der muss sich nicht wundern, wenn nicht exakt das passiert, was erwartet wurde. Da kann es eben auch vorkommen, dass nach der Vorband und vor dem Hauptact ein einstündiger Film über Everetts Vater, den Quantenphysiker Hugh Everett, gezeigt wird. Wen das nicht abschreckt, der wird sowohl dort als auch mit „Hombre Lobo“ bestens bedient. Immer noch ist Everett einer der am wenigsten bekannten Romantiker der Pop- und Rockmusik.
Ja, nein, ja, nein, vielleicht…„Sunny side up“ lässt den Hörer etwas ratlos zurück. Denn das zweite Album des sympathischen Italienerschotten mit der Neukurzhaarfrisur steckt wie dieser Satz selbst, voller Gegensätze. Country, Folk, viel viel Pop und selbst unerwarteter Ska werden in diesen 11 Songs durch die Luft gewirbelt und leider an manchen Stellen jäh zu Boden gerissen.
Placebo haben in ihrem Leben bisher so einiges erreicht. Nach 15 Jahren Banderfahrung, 2 Besatzungswechseln am Schlagzeug, mehrfachen Auszeichnungen und einer guten Hand voll Studioalben, kehren sie nach 3 Jahren mit „Battle For The Sun“ zurück. Nicht präsent waren sie ja nie: überall und ständig Konzerte, Videos, Interviews, Storys.
„Der Außenseiter, der Papagei, der Wahn" – das ist kein normales Album. Es ist vielmehr eine musikalische Botschaft an die Zukunft, inspiriert von Salman Rushdies Essays "Letter to the 6 billionth person". Passenderweise stellt das Artwork des Albums einen Brief dar, dessen symbolträchtige Briefmarken sich als "Stamp Of Origin" in der Tracklist wieder finden und sich als kurze Zwischenstücke zwischen den eigentlichen zehn Songs und vier Instrumentals in das Gesamtkonzept des Albums einfügen.